Hauptpreis 2018

RAPHAELA EDELBAUER

Raphaela Edelbauer

Den Rauriser Literaturpreis 2018 (vergeben vom Land Salzburg, dotiert mit EUR 8.000,-) erhält Raphaela Edelbauer für ihren Roman „Entdecker. Eine Poetik“ (Klever Verlag 2017).

Begründung der Jury (Sandra Kegel, Harald Klauhs, Beat Mazenauer):

Die dreiköpfige Jury für den Rauriser Literaturpreis 2018 hat sich einstimmig für das Prosadebüt der Autorin Raphaela Edelbauer mit dem Titel „Entdecker. Eine Poetik“ entschieden. In sechs „Entdeckungen“ baut die 1990 geborene Wienerin darin ein Universum aus Sprache. Im Gegensatz zu Hofmannsthals „Chandos-Brief“ – und damit zugleich in dieser sprachphilosophischen Tradition stehend – zerfallen bei ihr die Worte nicht zu modrigen Pilzen, sondern sie erschafft umgekehrt die ganze Welt aus Sprache: Zoologie, Geologie, Geografie, Physik, Medizin und Chemie führt die Autorin in sechs Entdeckungsreisen auf den Ursprung der Sprache zurück. Sprache als der zentrale Baustein der Welt, wie es in der ‚Gebrauchsanweisung‘ zu Beginn heißt. Das mit kongenialen Zeichnungen von Simon Goritschnig bibliophil gestaltete Buch ist sowohl eine spannende naturwissenschaftliche Annäherung an die Poesie als auch umgekehrt: eine poetische Annäherung an die Naturwissenschaft.
Damit überschreitet die Autorin Grenzen und rückt in unerforschte Gebiete der Literatur vor. Das macht die Lektüre für die Leserin/den Leser nicht einfach. Müssen sie sich doch auf Neues einlassen. Gerade Raphaela Edelbauers literarischer Wagemut ist es, den die Jury für preiswürdig erachtet hat. Entschädigt für die Anstrengung der Lektüre dieses experimentellen Textes wird man von verblüffenden Erkenntnissen, ungewöhnlichen poetischen Bildern sowie vom subtilen Humor der Autorin. Ihre Eloge auf die Sprache und deren Möglichkeit zur Erschaffung der Welt ist zugleich ein poetischer Akt und eine sprachphilosophische Meditation. Mit der Prosa Entdecker ist Raphaela Edelbauer nach Meinung der Jury das ungewöhnlichste und gewitzteste deutschsprachige Debüt des Jahres geglückt.

Raphaela Edelbauer, geboren 1990 in Wien, studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst. 2017/18 ist sie Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds und arbeitet an ihrem ersten Roman „Das flüssige Land“. Im Mai 2017 fand die Premiere der Extremperformance „Literazah“ in Wien statt, mit weiteren Terminen u.a. in Berlin. Edelbauer schreibt zudem Originaltexte für Neue Musik und arbeitet u.a. an einem Libretto für eine Oper der kroatischen Komponistin Margareta Ferek-Petric.

Die Lesung der Preisträgerin findet am Mittwoch, dem 04. April 2018 statt.