Von Tieren und Menschen

Nicht erst seit den Märchen spielen Tiere in der Literatur eine bedeutende Rolle; es gibt eine Vielzahl an literarischen Beispielen, die sich mit ihnen beschäftigen. Aktuell belegt nicht zuletzt eine Häufung von Titeln literarischer Werke, in denen Tiere vorkommen, das Interesse an diesem Thema.

Dabei geht die Funktion von Tieren weit über die Vermittlung zoologischer Erkenntnisse hinaus: Sie werden als eigene literarische Figuren dargestellt, in Beziehung zu Menschen, oft als deren Partner, als Ergänzung menschlicher Existenzformen, aber auch als Träger unserer Sehnsüchte und Projektionen.

Oftmals dienen Tiere als Vehikel für die Untersuchung menschlicher Verhaltensweisen und damit unserer Selbsterforschung. Man könnte auch sagen, Tiere werden in Texten dargestellt, damit wir etwas über uns Menschen lernen. Nicht zuletzt darüber, welche Persönlichkeitsanteile, die von zivilisatorischen Formationen überlagert sind, dennoch in unser Handeln hineinwirken.

Wenn die Darstellung von Tieren einerseits das Naturhafte an der menschlichen Existenz sichtbar macht, so beleuchtet sie andererseits auch den menschlichen Umgang mit dieser Natur, mit dem Leben und seinen Grundlagen. Die Frage, wie wir Menschen auf die Natur einwirken, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen und sie gefährden, ist aktueller denn je.

Wenn es in der Literatur um unser Verhältnis zur Natur geht, so ist das ohne gesellschaftlich-politische Themen, die sich darin spiegeln, nicht denkbar. Wir wollen das in einer Krisenzeit, wie wir sie gerade erleben, nicht aussparen. Was macht eine Pandemie mit uns? Wie werden wir mit der daraus resultierenden Instabilität umgehen? Und in welchem politisch-sozialen Umfeld findet dies statt?

So führt uns das Motto der diesjährigen Rauriser Literaturtage, das übrigens einen mehrfach verwendeten Buchtitel zitiert, letztlich zu Fragen unserer unmittelbaren Gegenwart.

 

Manfred Mittermayer und Ines Schütz