VINCENZO TODISCO

Vincenzo Todisco (c) Momir Cavic










Geboren 1964 als Sohn italienischer Einwanderer in Stans im Schweizer Kanton Nidwalden, später Studium der Romanistik und Promotion in Zürich; bis 2004 war er Redakteur der Kulturzeitschrift Quaderni grigionitaliani. Er lebt heute in Rhäzüns (Graubünden) und ist neben seiner schriftstellerischen Arbeit als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Graubünden tätig.

Seine ersten Romane, darunter Das Krallenauge (2001), Der Bandoneonspieler (2007) und Rocco und Marittimo (2011), wurden von Maja Pflug aus dem Italienischen übersetzt und im Zürcher Rotpunktverlag veröffentlicht. Das Eidechsenkind (2018) ist der erste Roman, den Todisco auf Deutsch verfasst hat – er stand auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises. Bereits 2005 erhielt Todisco den Bündner Literaturpreis für besondere Verdienste um die Literatur Graubündens.

Das Eidechsenkind erzählt von einer Kindheit zwischen Gast- und Heimatland in den 1960er Jahren. Die Eltern sind als Gastarbeiter aus den Abruzzen in die Schweiz gekommen, wo ihr Sohn keine Aufenthaltserlaubnis hat. Das Kind muss sich verstecken, wenn der Vater am Bau und die Mutter in der Fabrik arbeitet, um nicht von der Fremdenpolizei gefunden oder von Denunzianten verraten zu werden, darf keine Aufmerksamkeit erregen: „In der Wohnung kann das Kind nur so tun, als würde es mit dem Ball spielen, denn dort darf kein Ball sein. Viele andere Dinge, die es draußen gibt, können in der Wohnung nicht sein.“ Leise, aber hellwach und sehnsüchtig sitzt der kleine Junge zuhause, bis er sich vorsichtig ins Treppenhaus aufmacht, dann in den Keller, und schließlich auch weitere Kreise zieht – wendig und misstrauisch, immer bereit, wie eine Eidechse im nächsten Mauerwinkel zu verschwinden.

„Vincenzo Todisco, seit langem einer der wichtigen Vertreter der italienischsprachigen Literatur der Schweiz, hat einen Roman über ein Kind geschrieben, das man nur schwer wieder vergisst“, so Paul Jandls eindringliche Lese-Empfehlung in der Neuen Zürcher Zeitung. „Das Buch ist politisch, ohne dabei zu wirken, als würde es sich in seiner Kritik selbst auf die Schulter klopfen. Todisco hat alles Überdeutliche vermieden und ist dabei umso klarer geblieben.“