SUSANNE FRITZ

Susanne Fritz (c) Burkhard Riegels










Geboren 1964, schreibt Erzählungen, Romane, Essays, Hör- und Bühnenstücke, arbeitet als Schriftstellerin, Regisseurin und Musikerin in Freiburg im Breisgau.

2001 erschien mit dem Erzählband Ein Schaf an der Leine ihr erstes Buch, 2007 und 2009 folgten die Romane Heimarbeit und Die Hitze ließ nur die Dinge, 2012 Kaltenherberg als Kombination aus literarischem Text und musikalischer Komposition. Außerdem hat Fritz Beiträge in Literatur- und Kulturjournalen wie Lettre International und Die Horen veröffentlicht. Mit ihrem Bühnenprogramm „WortMusik“ tritt sie als Pianistin und Performerin auf. 2000 erhielt sie ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, 2008 war sie Stipendiatin im Herrenhaus Edenkoben. Ihr aktuelles Buch Wie kommt der Krieg ins Kind (Wallstein, 2018) war für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert.

Am 21. Januar 1945 – die Niederlage Deutschlands ist längst unausweichlich –, bricht ein gerade vierzehnjähriges Mädchen mit seiner Schwester und seiner gelähmten Mutter aus dem Raum um Posen nach Westen auf. Die drei sind auf der Flucht vor der Roten Armee, die den Flüchtlingstreck Anfang Februar, zwanzig Kilometer nordöstlich von Frankfurt an der Oder, stoppen wird. In Wie kommt der Krieg ins Kind begibt sich Susanne Fritz auf die Spuren ihrer Familie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs – und in den Jahren danach, als im Lager Postulice nicht mehr die deutschen Besatzer über ihre Gefangenen wachen, sie misshandeln und töten, sondern polnische Aufseher. Akribisch recherchiert Fritz die Biografie ihrer Mutter. Sie hält Nachschau in Archiven und Dokumenten und verknüpft die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts auf berührende Weise mit der Ebene des Persönlichen und Intimen – denn ihre Mutter hat ihr auferlegt, die Ereignisse dieser Jahre ruhen zu lassen.

„Da ist nichts, was durch die Wörter recht behalten will, keine Moral, mit der die Nachgeborenen sich über die Vergangenheit erheben könnten“, schreibt Paul Jandl in der Neuen Zürcher Zeitung über Wie kommt der Krieg ins Kind: „Da ist nur Material, das die Autorin zum Ganzen zusammenzusetzen versucht, und man schaut ihr als Leser gebannt über die Schulter.“ Fragend, ohne vorschnelle Gewissheit und Schuldzuweisungen, dafür mit großer Ernsthaftigkeit und Empathie, stellt sich Susanne Fritz einer schmerzhaften, lange tabuisierten Vergangenheit – in einem in seiner Offenheit radikalen Buch.