Szenische Leseaufführung
Ulrich Bräker
Räsonierendes Bauerngespräch über das Bücherlesen
am Sonntag, 11.04.2010, um 11.00 im Gasthof Grimming
Die 40. Literaturtage ehren Klaus Gmeiner, der als Leiter der Literaturabteilung des Landesstudios Salzburg und als Regisseur bewegender szenischer Leseaufführungen Rauris jahrzehntelang mitgeprägt hat. Diesmal inszeniert er eine Rarität, die besser nicht zu diesem Jubiläum der Bücher in einem Bauerndorf passen könnte. Ulrich Bräker, 1735–1798, Kleinbauensohn, Knecht, Garnhändler und Baumwollweber, den Literaten als „armer Mann von Toggenburg“ ein Begriff, der in bäuerischer Art über das Alltägliche seiner Schweizer Heimat philosophiert. In ärmlichen Verhältnissen lebend, beobachtet er die wirtschaftlichen Miseren seiner Zeit, betrachtet Schicksale und Gedankenwelten einfacher Leute und äußert sich kritisch zur Politik. Mit zorniger Kritik beschreibt er die Gegner des Bücherlesens, zu denen leider auch seine Frau gehört. In einer volkshaften Szenenfolge gelingt die Zähmung der Widerspenstigen. Dabei hat Bräker wohl an Shakespeares Komödien gedacht und hob seinen täglichen häuslichen Konflikt in die Bühnenwirklichkeit. Wer sich nach über 200 Jahren auf Bräkers Büchergespräche einlässt, der findet hier jene Fragen, die heute wohl manchen Psychologen oder Soziologen beschäftigen.
Inszenierung: Klaus Gmeiner, es spielen Harald Fröhlich, Georg Steinitz, Gerhard Zemann, Leo Braune, Ulli Fessl (Burgtheater, Wien), Peter Josch (Theater in der Josefstadt, Wien)
