Die Literaturtage 2019

Mittermayer-Schuetz

AUF.BRÜCHE


Aufbrechen aus Gewohntem – das bedeutet Offenheit: neue Chancen, neue Perspektiven, neue Erfahrungen. Vielleicht auch einen dauerhaften Wechsel des Wohnorts und der Gemeinschaft, in der man lebt.

Unsere Welt ist dynamischer, beweglicher geworden. Reisen eröffnen die Begegnung mit anderen Kulturen, berufliche Karrieren sind nicht mehr ein für allemal festgelegt wie in früheren Zeiten, es ist leichter geworden, den Lebenszusammenhang zu verlassen, in den man hineingeboren ist. Aber unsere Existenz ist zugleich auch ungewisser, instabiler als es die Lebensmuster der Vergangenheit waren. Und wir erleben zunehmend, wie Menschen nicht ganz freiwillig ihre alten Adressen aufgeben, in andere Länder ziehen, vielleicht gar keine neue Heimat mehr finden können.

Nicht zufällig handeln viele der Bücher, die bei den Rauriser Literaturtagen 2019 vorgestellt werden, von der Migration, der zentralen Herausforderung unserer Zeit. Und sie schildern, wie auch in früheren Jahrzehnten bereits einzelne Biographien und die Geschichte ganzer Familien vom aufgezwungenen Wechsel der Lebensschauplätze geprägt waren. So werden Auf-Brüche oft buchstäblich zur Ursache von Brüchen in menschlichen Lebensläufen, zur Veranlassung, sich Situationen existenzieller Unsicherheit zu stellen – in denen man ohne die Offenheit der anderen keine Möglichkeit erhält, die Chancen dieses Neubeginns tatsächlich zu ergreifen.

Die Rauriser Literaturtage befassen sich, wie stets aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, auch in diesem Jahr mit einem ambivalenten, aber gleichzeitig faszinierenden Phänomen, das unsere Gegenwart bestimmt.

Manfred Mittermayer und Ines Schütz