NANA EKVTIMISHVILI

Nana Ekvtimishvili - (c) Nata Sopromadze










Geboren 1978 in Tbilissi (Georgien), studierte an der Filmhochschule Babelsberg und wurde mit den preisgekrönten Filmen Die langen hellen Tage (2014) und Meine glückliche Familie (2017), jeweils gemeinsam mit Simon Groß, international bekannt. Sie lebt in Berlin und Tbilissi.

Neben Nino Haratischwili (Das achte Leben (Für Brilka), 2014; Die Katze und der General, 2018) und Temta Melaschwili (Abzählen, 2012; Marines Engel, 2018) zählt Nana Ekvtimishvili zu den bekanntesten georgischen Autorinnen der jüngsten Generation. In Rauris stellt sie ihren Debütroman Das Birnenfeld vor, der den rebellischen Mädchen und Frauen Georgiens eine prägnante Stimme verleiht. Er erschien zunächst 2015 unter dem Titel Mskhlebis Mindori und wurde 2018, übersetzt von Julia Dengg und Ekaterine Teti, auf Deutsch im Suhrkamp Verlag veröffentlicht.

Georgien war im vergangenen Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse. Mehr als 100 Bücher wurden aus diesem Anlass neu ins Deutsche übersetzt und boten Einblicke in ein Land, das in Westeuropa oft nur dann größere Aufmerksamkeit findet, wenn in den Nachrichten von Abchasien und Südossetien berichtet wird. 1921 von der Roten Armee besetzt und der Sowjetunion angegliedert, erklärte Georgien 1991 seine Unabhängigkeit; bis heute sind viele politische und gesellschaftliche Konflikte nicht zur Ruhe gekommen. Die georgische Literatur ist im deutschsprachigen Raum indes wenig präsent: Das Nationalepos Der Recke im Tigerfell von Schota Rustaweli (um 1200) wurde 2013 zum Weltdokumentenerbe erklärt; im 20. Jahrhundert erreichten Bücher von Giwi Margwelaschwili (*1927) oder Grigol Robakidse (1882–1962) – seinen Roman Das Schlangenhemd würdigte Stefan Zweig 1928 mit einem Vorwort, später jedoch avancierte Robakidse zum literarischen Handlanger der Nationalsozialisten – auch hierzulande ein größeres Publikum.

Mit Ekvtimishvilis Roman Das Birnenfeld lässt sich die Literatur Georgiens nun ganz neu entdecken: Sie erzählt, geschichtsmächtig und gegenwartsgesättigt, vom zerrütteten Verhältnis zwischen den Geschlechtern, von Gewalt und Empathie, von Selbstbehauptung und Zusammenhalt, in den „Plattenbauwüsten“ von Tbilissi. „Nana Ekvtimishvili hat ein schonungsloses Buch geschrieben, das den Abgehängten eine Stimme gibt und zugleich Gleichgültigkeit und Rohheit anklagt.“ (Holger Heimann, WDR 5)