KARL-MARKUS GAUß

Karl-Markus Gauß - (c) Kurt Kaindl










Geboren 1954 in Salzburg, wo er heute als Schriftsteller und (seit 1991) Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik lebt. Er machte sich früh als Essayist einen Namen, 1986 erschien seine Abhandlung über den Lyriker Albert Ehrenstein, zwei Jahre später der Band Tinte ist bitter mit Aufsätzen und „literarischen Porträts aus Barbaropa“.

Mit Büchern wie Die sterbenden Europäer (2001), Die Hundeesser von Svinia (2004) und Die fröhlichen Untergeher von Roana (2009) ist Gauß in die unentdeckten Winkel und zu kaum bekannten Minderheiten Europas aufgebrochen. Gemeinsam mit dem Fotografen Kurt Kaindl hat er Reisen nach Mittel- und Osteuropa unternommen, seine Gegenden, Bewohner und Kulturen den Leserinnen und Lesern auf faszinierende Weise neu erschlossen. Auch das Genre des Journals hat er – etwa in Mit mir, ohne mich (2002) und Der Alltag der Welt (2015) – im Laufe der Jahre als Kunstform für sich entdeckt.

Seit langer Zeit gehört Karl-Markus Gauß zu den wichtigsten und kritischsten Stimmen im österreichischen Literatur- und Kulturgeschehen, wobei er auch vor pointierten politischen Stellungnahmen nie zurückgeschreckt ist. Für sein schriftstellerisches Werk wurde ihm eine Vielzahl an Auszeichnungen verliehen, etwa der Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik (1994), der Prix européen de l’essai Charles Veillon (1997), der Georg-Dehio-Preis (2006), der Große Kunstpreis des Landes Salzburg (2009), der Österreichische Kunstpreis für Literatur (2013), das Ehrenzeichen des Landes Salzburg (2014) sowie zuletzt der Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik (2018). Seine (Preis-)Reden liegen seit 2018 gesammelt im Band Die Bibliothekarinnen von Renens vor.

In Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer (Zsolnay, 2019) unternimmt Gauß, einer großen literarischen Tradition folgend, eine Forschungsexpedition in den eigenen vier Wänden. „Man möge mir nicht vorwerfen, ich verlöre mich in Einzelheiten; Reisende machen das so“, lautet das Zitat aus Xavier de Maistres Voyage autour de ma chambre (1795), das er seinem Buch vorangestellt hat. War de Maistres Roman dazumal eine bissige Parodie auf die populären Reise- und Expeditionsberichte, stellt sich auch Gauß in seiner Abenteuerlichen Reise kritisch zu den Zeitläuften – nicht als Kulturpessimist, sondern als wacher Beobachter unserer Gegenwart. Er erhebt Einspruch gegen eine Welt, in der für den genauen, forschenden, sorgsamen Blick zu wenig Zeit bleibt.