Rauriser Literaturtage
41. Rauriser Literaturtage

Rauris runtergezählt

40 Jahre Rauriser Literaturtage: Die Eröffnung

 

Festredner Bodo Hell; © David Sailer 2010Festredner Bodo Hell zählt den Raurisern und ihren Gästen bei der Eröffnung der 40. Rauriser Literaturtage 40 Jahre rauf und runter. Bodo Hell rechnet vor und jubiliert, er erinnert und schreibt ein Rezept: "...das Rauriser Erfolgsrezept (nämlich aktuelle Literatur der Gebirgsluft auszusetzten)...die sträflich unterschätzten Bergler sind es in all ihrem Zeitenwandel, die das Spezifische für die Rauriser Tage garantieren." Das Spezifische garantieren. Das Spezifische für Rauris, das ist die dialogische Atmosphäre, so der diesjährige Preisträger Thomas Klupp in seiner Rede. Das Spezfische an Rauris, das ist aber auch, wie es Brita Steinwendtner in ihrer Eröffnung sagt: Literatur nicht nur aufs Land, sondern in die Herzen der Menschen zu tragen. Dieser Mix aus sozialen, intellektuellen und organisatorischen Kompetenzen trug dazu bei, dass - so Bgm. Reiter -  aus dem Sozialexperiment Literatur am Land ein internationales Literaturfestival geworden ist, weil Menschen und Literatur zusammen finden.  Nunmehr sind es Literaturtage der Generationen und für Generationen geworden, die hier zusammenfinden: Die Laudatoren erinnern an die Generationen von SchriftstellerInnen, Gästen und MitarbeiterInnen aber auch an die Generationen von Raurisern, die mit Literatur im Raurisertal berührt worden sind. Es wurde erinnert und geehrt an diesem Abend. Es wurde besonderen Menschen gedacht und es wurden besondere Menschen bedacht: Caterina Carsten, der ersten Rauriser Stadtschreiberin zum 90., Brita Steinwendtner mit dem Rauriser Bürgerpreis und dem goldenen Kelch des Landes und die beiden Preisträger Martin Fritz und Thomas Klupp.

Die Preisträger 2010 gemeinsam mit Brita Steinwendtner; © David Sailer 2010Im übervollen Grimmingsaal nach längerem Aushaaren ergibt sich plötzlich wie von selbst die Atmösphäre des Spezifischen und die Literatur kommt zu ihrem eigentlichen Geschäft: Lesen und gelesen werden. In ihrer Laudatio auf Thomas Klupp meint Julia Schröder, kaum ein Debüt sei so einhellig aufgenommen worden wie Thomas Klupps Paradiso: Der Monolog eines jungen Mannes, der den Leser durch eine sehr spezifische Verkommenheit fesselt, das Märchen von einem der auszog, die Leser das Gruseln zu lehren. Und der Leser lässt sich einnehmen von diesem optimistischen, intelligenten und gut aussehenden, sympathischen Monstrum. Auch der Preisträger selbst, Thomas Klupp, versteht es, sein Publikum zu begeistern. Bereits das kurze Statement zu Rauris lässt ihn den Saal für sich gewinnen. Das erste Mal in Rauris...? Nein, nach einem Abstecher bei google Map wurde ihm klar: im Nachbartal hatte er es bereits, sein erstes Mal. Dafür schon mit fünf. Seine erste Begegnung mit der Region versteht sich. In dieser erfrischenden und intelligenten Doppeldeutigkeit gestaltete Klupp seine Lesung. Er begeistert und lässt sich begeistern von der dialogischen Atmosphäre hier in Rauris.