Rauris. Extra.Blog
Jeden 1. des Monats gibt es ab jetzt einen Extra.Blog!
Es ist nicht weit vom «Neuwirt» zum Gasthaus Grimming oder vom «Rauriserhof» zum «Platzwirt», wo in brechend vollen Sälen erzählt wird. Und doch sind es Welten, die man als Zuhörer durchmisst – auch die eigenen. (Stefan Gmünder, Neue Zürcher Zeitung)
Es ist nicht weit vom Neuwirt zum Platzwirt während der Rauriser Literaturtage. Man braucht auch nicht lang, vielleicht ein paar Minuten vom Rauriserhof in den Ortskern von Rauris. Mitunter jedoch ist das Jahr doch sehr lang, und von dem, was rund um die Rauriser Literaturtage passiert, ist Stille eingekehrt. Lange Zeit hört man nichts voneinander. Aber man hat sich doch vieles zu sagen. Wo sind die Leser, was machen die Autoren, was geschieht in der Rauriser Literaturfamilie während eines ganzen Jahres? Fragen Sie sich das auch manchmal?
In Rauris. Literatur. Erleben.
Was das bedeutet, ist auf unserer Homepage (www.rauriser-literaturtage.at) für Sie dargestellt:
Rauris ist der Ort, wo Literatur für ein paar Tage im Jahr erlebbar wird.
Der neue Blog soll eine Ergänzung dazu sein:
Mit Ihnen und mit Dir wollen wir im Gespräch bleiben und auf Neues aus der Welt der Rauris-Literatur aufmerksam machen –
über die eigentliche Frühjahrs-Veranstaltung hinaus.
Wir werden für Sie,
Neuigkeiten über die Rauris-Autorinnen und -Autoren bereitstellen
kurz ihre neuen Bücher präsentieren
über Preise und Geburtstage unserer Dichtergemeinschaft informieren
Themen und Projekte beleuchten
Interviews und Rezensionen liefern
Einblicke in Planung und Organisation der Rauriser Literaturtage geben
Mit dem Raurisblog wollen wir das lebendige Gespräch, für das Rauris berühmt geworden ist, weiterführen und so in Kontakt mit der ganzen Raurisfamilie bleiben. Über die Berge des Pinzgaus und die Distanzen der Welt hinaus, sollen Räume erweitert und für die Literatur erschlossen werden.
Auch Dorothee Elmiger, die Preisträgerin von 2011, denkt gern an Rauris – selbst wenn es damals Frühling war, als sie geehrt wurde, und sie jetzt längst schon an einem neuen Buch arbeitet – und schenkt uns diese kleine Geschichte zum Einstand des Extra.Blogs.
Jetzt, da der Winter schon naht, fällt es mir ab und zu ein: Hier auf diesem Feld hätten die Autorinnen und die Dichter sich einst zum Eisstockschiessen zusammengefunden, sagte ein Herr zu mir, als wir in Rauris Richtung Seilbahn gingen. Er erwähnte es nicht, aber später blätterte ich in meinem Hotelzimmer durch die grosse Chronik von Rauris und sah, dass das Treffen auf dem Eisfeld zu einer Zeit stattgefunden haben musste, als die Scheitel auf den Köpfen noch in andere Richtungen gezogen wurden, als die Fotografie noch andere Bilder machte von der Welt. Ich erschrak und wischte mir über das Gesicht, als traute ich meinen eigenen zwei Augen nicht: Sie hatten sich alle hier eingefunden, die Autoren und die Dichterinnen, deren Namen ich schwarz auf weiss aus vielen Büchern kannte, und hatten die Eisstöcke übers Feld geschickt. Sie hatten aus ihren Mündern Atemwolken in die Luft gestossen und sich mit kleinen Schritten vorsichtig auf dem Eis bewegt. Und ich erschrak noch einmal, als ich dann verstand, dass einige der Spieler und der Spielerinnen sich nun wieder hier befanden, das Eisfeld zwar in diesem Jahr schon aufgetaut, schienen sie sich trotzdem klar und deutlich zu erinnern an die Partie. Ich erschrak und klopfte mir dann sogleich an die Stirn, um diese kleine Rührsal oder Ehrfurcht in die kleinste Kammer meines Kopfes zu verbannen.
Niemand hat gesehen, dass ich nachts heimlich über die betreffende Wiese gewandert bin, mit kleinen, wackligen Schritten, niemand. Das wilde Tier Rauris hatte selbst im Wald zu tun und die schreibende Zunft feierte im Hotel ein ausgelassenes Fest. (Dorothee Elimger)
Novitas:
Marlene Streeruwitz, 2011 Gast der Rauriser Literaturtage, legte im September ihren neuen Roman „Die Schmerzmacherin“(S. Fischer) vor. Der Roman ist aufgrund seiner gesellschaftlichen und zeitpolitischen Relevanz vom Feuilleton als herausragend beurteilt. Zu den Rezensionen: http://www.marlenestreeruwitz.at/2011/09/09/rezensionen-die-schmerzmacherin/
Positionen:
**Thomas Lehr (Rauris-Preisträger 1994 und zuletzt gemeinsam mit Gerhard Zeilinger im Wissenschafts-Literatur-Programm in Rauris) ist neuer Stadtschreiber in Bergen-Enkheim. Der neue Stadtschreiber hielt am 5. Oktober um 19 Uhr in der Nikolauskapelle seine Antrittslesung. Lehr stellte mit "Nabokovs Katze", "42" und "September. Fata Morgana" seine drei letzten Romane vor. Der 1957 in Speyer geborene Schriftsteller lebt in Berlin. Nach dem Urteil der Stadtschreiber-Jury gelingt es ihm "unsere Gegenwart in exemplarische Muster zu fassen und sie in eine in poetischen Partikeln aufgelöste Sprachwirklichkeit zu überführen".
**Astrid Rosenfeld hat es mit ihrem Debut „Adams Erbe“, mit dem sie bereits 2011 in Rauris eingeladen war, auf die shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft – ein großer Erfolg für die junge Schriftstellerin.
**Die Wiener Schriftstellerin und Literaturwissenschafterin Ruth Klüger, Rauriser Literaturpreisträgerin 1993, wird mit dem Danubius Donauland-Sachbuchpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Der 1975 begründete Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird für das Gesamtbuch eines herausragenden Sachbuchautors vergeben, heißt es in einer Aussendung der Buchgemeinschaft Donauland. Erich Hackl, der vor fünf Jahren selbst mit dem Preis gewürdigt wurde, hielt am 25. Oktober im Rahmen eines Festakts im Jüdischen Museum Wien die Laudatio. Außerdem wird ihr
am 2. November im Parlament das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen.
Agenda:
Peter Stephan Jungk erhält zur Eröffnung der Salzburger Buchwoche am 10.11. den Preis der Salzburger Wirtschaft. 2005 begeisterte er zusammen mit Karl-Markus Gauß auf der Bühne des Grimmingsaales sein Publikum und 2011 gestaltete Jungk die fulminante Mitternachtslesung im Rauriserhof.
MO 21. 11. • 20.00 • Literaturhaus Familienmuster | Kindheitswelten JOSEF HASLINGER JACHYMOV Moderation: Anton Thuswaldner
In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können. Marcel Proust über den Leser.
Kategorie: Rauris
Geschrieben von: David Pernkopf
