Eröffnungsabend

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Start für KÖRPER.SPRACHE in Rauris


„Die Rauriser Literaturtage gehören zu den bedeutendsten Festivals der Gegenwartsliteratur im deutschen Sprachraum. Ihre besondere Stellung verdanken sie der einzigartigen Begegnung zwischen dem Gebirgsort Rauris und seiner Bevölkerung und dem zeitgenössischen Literaturbetrieb aus Schreibenden, Kritikern, Verlegern, Literaturwissenschaftern, Germanisten und dem an Literatur interessierten Publikum aus nah und fern“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer heute, Mittwoch, 29. März 2017, bei der Eröffnung der 47. Rauriser Literaturtage im Gasthof Grimming. Landesrat Heinrich Schellhorn überreichte anschließend den Rauriser Literaturpreis 2017 an Senthuran Varatharajah sowie den Förderungspreis an Mercedes Spannagel. Für Schellhorn sind die Rauriser Literaturtage ein „besonders gelungenes Beispiel von Literaturvermittlung“. Mit Gratulationen an die Preisträgerin und den Preisträger hielt er fest: „Für viele Autorinnen und Autoren waren und sind diese Auszeichnungen eine wichtige Station auf ihrem literarischen Erfolgsweg.”

Der medial vermittelte Körper im Fokus

Die Rauriser Literaturtage dauern heuer bis zum 2. April und stehen unter dem Motto „KÖRPER.SPRACHE“. Ines Schütz und Manfred Mittermayer haben im fünften Jahr ihrer Intendanz die vielfältigen Möglichkeiten der Literatur, über körperliche Vorgänge und Zustände zu erzählen, zum Thema gemacht. Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gehen in Lesungen und Gesprächen dem Verhältnis zwischen Körper und Sprache nach: Welche Sprache findet Literatur, um vom Körper zu erzählen? Wie spricht Literatur von Schönheit, Lust und Sexualität? Manche der Texte handeln auch davon, wie es ist, wenn Alter, Krankheit oder Unfall die Bewegungs- und Ausdrucksfähigkeit drastisch einschränken. Wenn der Körper Gewalt ausgesetzt ist, wenn er an der Schwelle zum Tod steht. Und immer wieder wird erkennbar, was der Umgang mit dem Körper über die Gesellschaft aussagt.

Preise für Senthuran Varatharajah und Mercedes Spannagel

Der vom Land Salzburg vergebene Rauriser Literaturpreis, dotiert mit 8.000 Euro, geht dieses Jahr an Senthuran Varatharajah für seinen Debütroman „Vor der Zunahme der Zeichen“, erschienen bei S. Fischer 2016. Den Förderungspreis in der Höhe von 4.000 Euro, der gemeinsam vom Land Salzburg und der Marktgemeinde Rauris vergeben wird, erhält heuer die 1995 geborene Autorin Mercedes Spannagel für ihren Text „Wie es klingt, wenn es quietscht“. Senthuran Varatharajah wurde 1984 in Jaffna, Sri Lanka, geboren. Er studierte Philosophie, evangelische Theologie und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. Der Autor lebt in Berlin. Die Jury, bestehend aus Stefan Gmünder, Gesa Schneider und Insa Wilke, zeigte sich beeindruckt von der „ethnologischen Genauigkeit“, mit der Varatharajah „durch die permanent scheiternde Verständigung zwischen zwei Menschen das Zeichensystem der westlichen Welt seziert.“ Weiter heißt es in der Begründung: „Die Raffinesse, mit der er die Form des philosophischen Dialogs in eine scheinbar literatur- und reflexionsferne Kommunikationsform wie die des Facebook-Messengers übersetzt, beeindruckt ebenso wie die Genauigkeit von szenischen Mikroerzählungen und Motivverflechtungen.“ Der Förderungspreis 2017 wurde zum Thema „Unter die Haut“ vergeben. Die 21-jährige Preisträgerin Mercedes Spannagel lebt und studiert in Wien. Sie hat bereits in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a. in mosaik, BELLA triste und JENNY. Ihr Text „Wie es klingt, wenn es quietscht“ konnte die Juror/inn/en Karin Buttenhauser, Bernhard Judex und Ulrike Längle überzeugen: „Dieser meisterhaft erzählten Kurzgeschichte gelingt es, mit minimalistischen erzählerischen Mitteln Spannung aufzubauen und die Phantasie des Lesers und der Leserin zu eigenen Interpretationen anzuregen.“

Zur Laudatio von Gesa Schneider (in: SALZ, Heft 167/März 2017)

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