Die Literaturtage 2016

Mittermayer-Schuetz

GESCHICHTE.ERZÄHLEN


Das Jahr 2016 steht in Salzburg im Zeichen eines besonderen Jubiläums – seit 200 Jahren ist das frühere Fürsterzbistum ein Teil Österreichs. Historische Jahrestage sind Anlass zum Feiern, sie lassen uns aber auch darüber nachdenken, wie wir zu unseren Vorstellungen von geschichtlichen Ereignissen gelangen. Nicht nur die wissenschaftliche Geschichtsschreibung spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Beliebtheit historischer Stoffe beim Lesepublikum, aber auch bei Autorinnen und Autoren, zeigt, wie bedeutsam die Literatur als Vermittlerin historischer Inhalte ist.

Es gibt viele Möglichkeiten, Geschichte literarisch zu erzählen: mit dokumentarischer Genauigkeit oder über die literarische Imagination, einmal liefern Fakten die Grundlagen, ein andermal steht die Fiktion im Vordergrund. Ein Einzelschicksal mit seinen aus der Geschichte resultierenden Schädigungen, Verletzungen und Traumata kann historische Vorgänge spiegeln, uns ein Zeitpanorama erfahrbar machen und sozialgeschichtliche Aspekte erschließen. Gerade über den Blick der Ausgegrenzten, der Außenseiter, kann die offizielle Perspektive relativiert werden, vermag es Literatur, die Aufmerksamkeit für verdrängte Inhalte zu wecken.

Sind das vermeintlich subjektive Medium Literatur und die vermeintlich objektive Wissenschaft wirklich so streng voneinander zu trennen? Worin unterscheiden sich die Darstellungsmuster der Geschichtsschreibung und der erzählenden Literatur? Um Fragen wie diese wird es in Rauris – auch mit Blick auf die Geschichte Salzburgs und darauf, wie sie in der Literatur erzählt worden ist – in Lesungen und Gesprächen mit Autorinnen und Autoren gehen: Im Mittelpunkt steht das Konzept Geschichte in allen Bedeutungen des Wortes.

Ines Schütz und Manfred Mittermayer