Die Literaturtage 2014

Mittermayer-Schuetz

KAPITAL.GESELLSCHAFT



„Die Zauberblätter! ich versteh’s nicht recht“, lässt Goethe im zweiten Teil seines Faust-Dramas ausgerechnet einen Narren ausrufen – also jemanden, der weniger „vernünftig“ als die andern ist und doch bisweilen tiefer blickt als die Macher der Gesellschaft.

Wie die „Zauberblätter“, das Geld und der alles beherrschende Kapitalmarkt, auf unser Leben Einfluss nehmen, ist derzeit mehr zu spüren als je zuvor. In Salzburg, dem Veranstalterland der Rauriser Literaturtage, hat sich nach fehlgegangenen Spekulationsgeschäften der öffentlichen Hand die gesamte politische Landschaft auf einen Schlag verändert. Und weltweit zeigen die Auswirkungen der Globalisierung, wie das Leben der Menschen zunehmend von finanziellen Abläufen bestimmt wird.

Die Literatur hat es nicht ganz leicht, darauf zu reagieren. Zu abstrakt sind viele der Vorgänge, deren Folgen sich in unserem konkreten Leben niederschlagen. Zu komplex sind die Zusammenhänge, die unsere Welt prägen und dazu geführt haben, dass viele von uns die Funktionsweise des Kapitals, der „Zauberblätter“, nicht mehr „recht verstehen“.

Rauris 2014 zeigt Ihnen, welche unterschiedlichen Antworten Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf die Schwierigkeit, dieses brisante Thema darzustellen, gefunden haben. Sie reichen vom klassischen Familienroman bis zur beklemmenden Zukunftsvision, von der provokanten Streitschrift bis zur Gegenwartsanalyse im Essay – und der hellsichtigen Freilegung der Sprachformen unserer „Kapital.Gesellschaft“.

Die Rauriser Literaturtage ermöglichen Ihnen auch diesmal an vier dicht komponierten Tagen die Begegnung mit einigen der interessantesten Autorinnen und Autoren unserer Zeit. Und sie vermitteln Ihnen gleichzeitig einen spannenden Einblick in den ganzen Reichtum ihrer literarischen Mittel.

Ines Schütz und Manfred Mittermayer