Die Literaturtage 2017

Mittermayer-Schuetz

KÖRPER.SPRACHE


In unserem medial vermittelten Zeitalter ist der Körper mit seinen Ausdrucksformen mehr als je zuvor ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Immer schon haben Darstellungen von Menschen über Körperhaltung, Gestik und Mimik deren Geschichte erzählt. Und dabei wurde stets auch die Vorstellung vom idealen Körper transportiert, je nach Zeit und Kultur. Aber erst die virtuelle Welt eröffnet einen bislang ungekannten Zugang zu unzähligen Bildern vom Körper, sie dokumentiert Moden und Ideale, auch das Scheitern daran.

Was den Körper angeht, scheint heute vieles „machbar“ – man denke an die moderne Transplantationschirurgie, die Reproduktionsmedizin oder die Gentechnologie. So haben sich im letzten Jahrhundert viele Grenzen, die mit der Wahrnehmung des Körpers verbunden waren, verschoben, von der Abgrenzung zwischen den Geschlechtern bis zur Konzeption von Physis und Geist. Und zur Frage, wieweit Vorstellungen von Autonomie und Individualität von Phänomenen des Körpers ausgehen.

Wie reagiert die Literatur auf diese Entwicklungen? Welche Sprache findet sie, um von körperlichen Vorgängen und Zuständen zu erzählen? Auch davon, wie es ist, wenn Alter, Krankheit oder Unfall die Bewegungs- und auch die Ausdrucksfähigkeit drastisch einschränken. Wenn der Körper Gewalt ausgesetzt ist, wenn er an der Schwelle zum Tod steht. Wie spricht Literatur von Schönheit, Lust und Sexualität? Und was sagt der Umgang mit dem Körper über die Gesellschaft aus?

Um Fragen wie diese soll es bei den Rauriser Literaturtagen 2017 in der Begegnung mit Autorinnen und Autoren gehen. Im Rahmen eines reichen Angebots an Lesungen und Gesprächen, in deren Mittelpunkt immer das Verhältnis zwischen Körper und Sprache stehen wird.


Manfred Mittermayer und Ines Schütz